üBER UNSERE ZUNFT
Die Zunft zur Schneidern gehört zu den traditionsreichen Berner Zünften und ist seit Jahrhunderten Teil des gesellschaftlichen Lebens der Stadt. Ihre Ursprünge liegen im mittelalterlichen Handwerk der Schneider und Tuchscherer, deren Zusammenschluss die Grundlage der Zunft bildete.
Anders als in vielen anderen Städten sind die Berner Zünfte keine Vereine, sondern Körperschaften des öffentlichen Rechts. Als burgerliche Korporationen mit Gemeindecharakter erfüllen sie bis heute öffentliche Aufgaben innerhalb der Burgergemeinde Bern.
Die Zunft zur Schneidern setzt sich aus allen Personen zusammen, die auf Schneidern das Zunftrecht besitzen. Sie pflegt ihre historischen Traditionen, übernimmt soziale Verantwortung für ihre Angehörigen und fördert den Zusammenhalt innerhalb der Gemeinschaft.
Seit dem 14. Jahrhundert
Geschichte
Die Zunft zur Schneidern blickt auf eine über 600-jährige Geschichte zurück.
Ihre Ursprünge liegen im Handwerk der Schneider und Tuchscherer, das über Jahrhunderte das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben Berns prägte.
Gründung
Die Zunft der Schneider und Tuchscherer wurde vermutlich in den 1370er-Jahren gegründet.
Erwerb des Vorderhauses zwischen 1390 und 1410. Erwerb des Hinterhauses vor 1413.
Das heutige Haus zum Mohren wurde zwischen 1691 und 1692 erstellt.
Bereits 1423 wurde die Zunft nach ihrem Hauszeichen benannt und spätestens mit den Satzungen von etwa 1530 trug sie auch offiziell dessen Namen «Gesellschaft zum Mohren».
Armengut
Ins Jahr 1533 fällt die Gründung des Armenguts. Diese Aufgabe war zentral für die Zünfte. Sie kommen ihr heute noch nach, selbst zu Zeiten des neuen Kinder- und Erwachsenenschutzgesetzes: Die Zünfte sind für die Sozialhilfe ihrer Mitglieder verantwortlich.
Meisterbott
Das Handwerk wurde vom Meisterbott kontrolliert: Man wachte über dessen gute Ordnung und verteidigte seine Interessen gegen nichtzünftige Konkurrenten (z.B. hugenottische Flüchtlinge). Ausserdem förderte man die Ausbildung, das Lehrlings- und Gesellschaftswesen.


AUFGABEN
Die Zunft zur Schneidern erfüllt bis heute verschiedene Aufgaben innerhalb der Burgergemeinde Bern und engagiert sich für ihre Angehörigen.
Sozialhilfe für ihre – zur Zeit im Kanton Bern wohnhaften – Angehörigen
Ausbildungs-Unterstützung und -darlehen
Förderung des Zusammenhangs unter den Zunftangehörenden
Verwaltung des Vermögens
Im Bereich des neuen Kindes- und Erwachsenenschutzes ist seit 1. Januar 2013 die burgerliche Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde bKESB zuständig.


Die Struktur der Zunft
Organisation
Die Zunft zur Schneidern verfügt über eine gewachsene Organisationsstruktur.
Ihre Gremien sorgen für die Führung der Zunft und die Wahrnehmung ihrer Aufgaben innerhalb der Gemeinschaft.
Grosses Bott
Das Grosse Bott, das aus den stimmberechtigten Zunftangehörenden gebildet wird, trifft sich jährlich zu zwei ordentlichen Versammlungen jeweils im Frühling und im Herbst. Es ist das oberste Organ der Zunft.
Vorgesetztenbott
Das Vorgesetztenbott (VGB) führt die Zunft. Es besteht aus fünf Mitgliedern. Das VGB ist zuständig für sämtliche Zunftangelegenheiten, soweit sie nicht dem Grossen Bott übertragen sind, insbesondere für die Sozialhilfe und die Verwaltung des Vermögens der Zunft.
Revisionsstelle
Die Zunft wird durch die Revisionsstelle ROD geprüft. Der Revisinsleiter Sascha Moser ist bis Ende 2026 gewählt.
Vom Hauszeichen zur Zunft zur Schneidern
Name der Zunft
Im Mai 2022 entschied sich die Zunft zum Mohren, den Namen Zunft zur Schneidern zu übernehmen.
Damit kehrte sie zu ihrer ursprünglichen handwerklichen Bezeichnung zurück – zu den Schneidern und Tuchscherern.
Namenswechsel
Der aktuellen und uns schon über Jahre hinweg begleitenden Rassismus-Debatte konnten wir mit dem Namenswechsel zu Zunft zur Schneidern im Mai 2022 Rechnung tragen: wir kehren nun wieder zurück zu dem, was wir eigentlich sind: Schneider und Tuchscherer.
Mohrenfigur
Die steinerne Mohrenfigur an unserem Haus auf der Seite Kramgasse 12 bleibt erhalten. Gemäss Bauordnung der Stadt Bern sind die Häuser der unteren Altstadt integral und eigentümerverbindlich geschützt. Dabei stützt sich dieser Schutz auf Artikel 10b Abs. 2 des kantonalen Baugesetzes. Demzufolge sind alle Elemente «ihrer Bedeutung entsprechend zu erhalten». Da es sich bei der Statue zweifelsfrei um ein kunsthistorisch wichtiges und künstlerisch bedeutendes Element des geschützten Hauses handelt, das sowohl geschichtlich wie baulich untrennbar mit diesem verbunden ist, erstreckt sich der Schutz auch auf die Statue.


Handwerk
Unsere Zunft nimmt gemeinsam mit den Metzgern und den Pfistern das Bereitstellen menschlicher Grundbedürfnisse wahr: Nahrung und Bekleidung.


Das Handwerk des Tuchscherers
Der Tuchscherer gehörte zu den wichtigen Berufen des historischen Textilgewerbes. Seine Arbeit bildete einen zentralen Veredelungsschritt bei der Herstellung von Feintuch. Mit bis zu 18 kg schweren Scheren wurden die feinen, aus dem Tuch überstehenden Wollfasern abgeschnitten, bis der Stoff eine glatte Oberfläche erhielt.
Kleidung und Gesellschaft
Was heute eine Selbstverständlichkeit ist: Dass jeder sich individuell nach seinen Wünschen kleiden kann, war nicht immer so. Es gab Phasen in der Geschichte, da hat sich die Obrigkeit in den Kleidungsstil eingemischt und in den Sittenerlassen deutlich gesagt, was erlaubt ist und was nicht. Insbesondere fürchtete man Verschwendung, Putz- und Prunksucht bei den Damen.
Arbeit und Wandel im Textilgewerbe
Während die Weber ursprünglich in Heimarbeit ihrer Tätigkeit nachgingen, waren die Tuchscherer Beschäftigte der Tuchkaufleute. Sie wohnten und arbeiteten zumeist in deren Manufakturen. Erste Arbeitskämpfe gegen die schweren Arbeitsbedingungen sind bereits aus dem 18. Jahrhundert bekannt, hiervon leitet sich der Begriff «Schererei» ab. Die Arbeit wird seit Mitte des 19. Jahrhunderts durch Schermaschinen ausgeführt.
